Ein Cobot, kurz für Collaborative Robot, ist ein Roboterarm, der neben einem Menschen im selben Raum arbeitet, ohne festen Schutzzaun. Vor Modellen und Preisen braucht es eine Unterscheidung: Ein „leichter“ Arm macht noch keine kollaborative Anwendung, und nicht jeder Arbeitsplatz mit einem Cobot kommt ohne Absicherung aus.
Was sind Cobots? Definition und maßgebliche Normen
Die ISO 10218-1:2025 definiert den Industrieroboter als automatisch gesteuerten, frei programmierbaren Mehrzweck-Manipulator, der in drei oder mehr Achsen programmierbar ist. Der Cobot ist keine eigene normative Kategorie: Er ist ein Roboter, dessen Kraft, Leistung und Geschwindigkeit so begrenzt sind, dass er den Raum mit Menschen teilen kann.
Die technische Spezifikation ISO/TS 15066:2016 beschreibt den kollaborativen Betrieb als den Zustand, in dem ein eigens dafür ausgelegtes Robotersystem und ein Bediener in einem gemeinsamen Arbeitsraum arbeiten. „Kollaborativ“ ist also die Anwendung als Ganzes (Roboter, Greifer, Werkstück, Umgebung), nicht der Arm allein. Die Revision 2025 der ISO 10218 hat einen großen Teil der ISO/TS 15066 übernommen und sagt es ausdrücklich: Der Begriff „collaborative robot“ wird in der Norm nicht verwendet, weil nur die Anwendung als kollaborativ entwickelt, verifiziert und validiert werden kann.
Cobot und Industrieroboter: die Unterschiede
Industrieroboter und Cobot haben dieselbe technische Grundlage: einen Arm mit 6 Achsen und eine Steuerung. Der Unterschied liegt darin, wie sie eingesetzt werden.
| Merkmal | Industrieroboter | Cobot |
|---|---|---|
| Schutzzaun | Fast immer fest | Oft keiner, wenn die Risikobeurteilung es zulässt |
| Geschwindigkeit | Hoch, mit starken Beschleunigungen | Begrenzt durch Kraft, Leistung und Moment |
| Traglast | Zehn bis mehrere hundert kg | In der Regel 3-30 kg |
| Programmierung | Offline oder per Teach-Pendant | Auch durch Handführung (Hand Guiding) |
| Einstiegskosten | Höher, mit Zelle und Schutzeinrichtungen | Niedriger, mit einfacherer Installation |
In der Praxis lohnt sich der Industrieroboter bei hohen Taktzahlen, schweren Lasten und immer gleichen Zyklen. Der Cobot lohnt sich bei leichten Lasten, wechselnden Formaten, wenig Platz und an Arbeitsplätzen, an die ein Mensch häufig herantritt.
Wie ein Cobot funktioniert: die vier Arten der Kollaboration
Die ISO/TS 15066 nennt vier Verfahren für den kollaborativen Betrieb, einzeln oder kombiniert:
- Safety-rated monitored stop (sicherheitsbewerteter überwachter Halt): Der Roboter hält an, sobald der Bediener den Bereich betritt; Mensch und Roboter bewegen sich nie gleichzeitig.
- Hand Guiding (Handführung): Der Bediener bewegt den Arm von Hand, um die Punkte des Zyklus aufzuzeichnen.
- Speed and separation monitoring (Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung): Scanner oder Kamerasysteme messen den Abstand und verlangsamen den Roboter, wenn sich der Bediener nähert.
- Power and force limiting (Leistungs- und Kraftbegrenzung): Der Roboter begrenzt Kraft, Leistung und Geschwindigkeit, sodass ein unbeabsichtigter Kontakt keine Verletzung verursacht. Das ist die typische Betriebsart von Cobots; die Schmerzschwellen für die einzelnen Körperregionen stehen in Anhang A der Norm.
Ein Fairino Cobot arbeitet vor allem mit Leistungs- und Kraftbegrenzung: Die Gelenke haben eine Drehmomentrückführung im geschlossenen Regelkreis, wie im Fairino Datenblatt angegeben. Die richtige Betriebsart wählen Sie aber anhand der Anwendung, nicht anhand des Modells.
Wofür ein Cobot eingesetzt wird: Maschinenbeschickung, Palettierung, Schweißen
Typische Anwendungen:
- Maschinenbeschickung (Machine Tending): Be- und Entladen von Teilen an Drehmaschinen, Fräsen und Pressen.
- Palettierung am Linienende: Kartons auf Europaletten stapeln. Kosten und Zeiten stehen im Ratgeber zur Palettierung mit Cobots.
- Schweißen: Der Cobot führt den Brenner entlang wiederkehrender Nähte. Dafür brauchen Sie eine Zelle mit Stromquelle, Brenner und eigenem Tisch; der Arm ist nur ein Teil davon.
- Pick & Place und leichte Montage: Greifen und Positionieren von Bauteilen mit einem elektrischen oder pneumatischen Greifer.
Im Lager wird der Cobot oft mit einem AMR kombiniert: Der Arm greift, der mobile Roboter transportiert. Einen Überblick über Linienende und Handling finden Sie auf der Seite Fertigung und Logistik.
Was ein Cobot kostet: die Fairino Preise laut Preisliste
Die Fairino Arme reichen in der Abra Preisliste von 5.448 € (FR3) bis 16.256 € (FR30), zzgl. MwSt. Greifer, Montagesätze und Integration werden separat angeboten.
| Modell | Traglast | Reichweite | Preis ab (zzgl. MwSt.) |
|---|---|---|---|
| Fairino FR3 | 3 kg | 622 mm | 5.448 € |
| Fairino FR5 | 5 kg | 922 mm | 6.252 € |
| Fairino FR10 | 10 kg | 1.400 mm | 10.387 € |
| Fairino FR16 | 16 kg | 1.034 mm | 10.450 € |
| Fairino FR20 | 20 kg | 1.854 mm | 14.677 € |
| Fairino FR30 | 30 kg | 1.403 mm | 16.256 € |
Traglast und Reichweite stammen aus den offiziellen Datenblättern von Fairino, die Preise aus dem Cobot-Katalog von Abra. Palettierzellen kosten mehr als der Arm allein: Sie umfassen die Workstation (einzeln ab 10.230 €), die Montage, die Programmierung der Packmuster und eine einfache Inbetriebnahme. Die Zelle FR10 beginnt bei 30.690 €, die mit FR20 bei 36.828 €.
Sicherheit und Risikobeurteilung
Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung. Wie ein Roboter eingestuft wird und welche Pflichten daraus folgen, hängt von der konkreten Anwendung ab.
Kollaboration wird nicht dadurch „aktiviert“, dass das Modell Cobot heißt. Darüber entscheidet die Risikobeurteilung der gesamten Anwendung: Roboter, Greifer, Werkstück, Geschwindigkeit, Bahn und Zugang von Personen. Die ISO 10218-2:2025 verlangt vom Integrator, Kontakte zwischen bewegten Teilen und Bedienern zu bewerten und Maßnahmen zur Risikominderung vorzusehen.
Daraus folgen in der Praxis zwei Dinge. Erstens: Ein Cobot, dessen Greifer ein heißes, scharfkantiges oder schweres Werkstück hält, kann Scanner, Zonen mit reduzierter Geschwindigkeit oder eine trennende Schutzeinrichtung erfordern. Zweitens: Die CE-Kennzeichnung betrifft die ganze Zelle, nicht nur den Arm. Ab dem 20. Januar 2027 ist die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 der europäische Bezugsrahmen: Was das für den Aufbau einer Zelle bedeutet, steht im Ratgeber zur Maschinenverordnung 2027.
Cobot oder Industrieroboter: wie Sie entscheiden
Ausgangspunkt sind drei Werte: Gewicht von Werkstück plus Greifer, Taktrate der Linie und verfügbarer Platz. Liegt die Last unter 30 kg, ist die Taktrate niedrig oder mittel und muss ein Mensch an den Arbeitsplatz herantreten, ist ein Cobot oft die richtige Wahl. Bei schwerer Last, hoher Taktrate und immer gleichem Zyklus hält ein Industrieroboter die Produktion besser durch. Traglast und Reichweite werden wie bei der Palettierung ausgelegt: Werkstück, Greifer und eventuelles Zubehör addieren und den Punkt betrachten, der am weitesten vom Sockel entfernt ist.
Förderung
Ein Cobot ist ein Investitionsgut und kann 2026 unter bestimmte Förderprogramme fallen, je nachdem, wie das Projekt aufgebaut ist. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es dafür öffentliche Programme: steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung, Abschreibungs- und Investitionsanreize sowie Förderkredite und Innovationsförderung. Mehr dazu im Artikel Roboter finanzieren: Förderprogramme und steuerliche Anreize 2026. Abra Robotics stellt Ihnen für den Antrag das Angebot und die technischen Unterlagen zur Verfügung; eine Steuer- oder Fördermittelberatung leisten wir nicht.
Häufige Fragen
Was bedeutet Cobot?
Collaborative Robot: ein Roboterarm, der neben einem Menschen im selben Raum arbeiten soll. Für die Normen ist die gesamte Anwendung kollaborativ, nicht der Arm allein.
Was ist der Unterschied zwischen einem Cobot und einem Industrieroboter?
Der Industrieroboter ist schneller und trägt mehr, arbeitet aber fast immer hinter einem Schutzzaun. Der Cobot begrenzt Kraft und Geschwindigkeit und kann ohne Schutzzaun arbeiten, wenn die Risikobeurteilung es zulässt.
Was kostet ein Fairino Cobot?
Der Arm kostet zwischen 5.448 € (FR3, 3 kg) und 16.256 € (FR30, 30 kg), zzgl. MwSt. Greifer und Integration werden separat angeboten.
Kann ein Cobot schweißen?
Ja, mit einer Zelle aus Stromquelle, Brenner und Tisch. Ob die Grenzwerte des Cobots ausreichen oder eine Schutzeinrichtung nötig ist, entscheidet die Risikobeurteilung.
Arbeitet ein Cobot immer ohne Schutzzaun?
Nein. Wenn die Risikobeurteilung es verlangt, kommen Laserscanner, Lichtschranken oder eine trennende Schutzeinrichtung hinzu.
Quellen
- ISO 10218-1:2025, Robotics, Safety requirements, Part 1: Industrial robots (Definition des Industrieroboters): iso.org
- ISO 10218-2:2025, Robotics, Safety requirements, Part 2: Industrial robot applications and robot cells: iso.org
- ISO/TS 15066:2016, Robots and robotic devices, Collaborative robots: iso.org
- ISO, „Robots and humans can work together with new ISO guidance“ (die vier Verfahren für den kollaborativen Betrieb): iso.org
- Fairino, Datenblatt FR3 (Traglast 3 kg, Reichweite 622 mm, Wiederholgenauigkeit ±0,02 mm): fairino.com
- Fairino, Datenblätter FR5, FR10, FR16, FR20 und FR30 (Traglast und Reichweite): Produktseiten von Abra im Cobot-Katalog.
- Preise: öffentliche Preisliste Abra Robotics, zzgl. MwSt., im Cobot-Katalog.

